Das war ein Fußball-Sommer in diesem Jahr, dass sich die Balken bogen. Oder sollten wir sagen: dass sich die Löcher füllten? Denn natürlich sprechen wir hier in der GOLFWELT nicht von den Damen-Fußball-Weltmeisterschaften, sondern von den Fußballgolf-Turnieren, die dem Sport neue Fans eingebracht haben.
Fußballgolf? Wir ahnen, dass wir damit bei den „echten“ Golfern zunächst Stirnrunzeln oder gar Andeutungen von Widerwillen hervorrufen. Aber bitte: keine voreiligen Urteile. Denn was hier zur Sprache kommt, erfordert ebenfalls feines Ballgefühl, präzises Avisieren, ein Höchstmaß an Konzentration und all die anderen Qualifikationen, die wir am Golf so schätzen.
Worum geht es also? Eigentlich, glaubt man den wahren Cracks unter den Fußballgolfern, ums Gleiche wie den Ur-Golfern. Ein Ball muss über eine definierte Distanz mit möglichst wenigen Schlägen – in diesem Fall Schüssen – in ein Loch verbracht werden. Franz Ohneis, Inhaber vom Soccerpark Bay-ern beschreibt die oberste Regel so: „Fussballgolf wird wie Golf auf 18 Bahnen (im Soccerpark Bayern mit Par 72) gespielt. Dabei wird ein Ball mit dem Fuß ohne Einsatz eines Schlägers mit möglichst wenigen ‚Abschlägen’ über verschiedenste Hindernisse bis zum Loch gespielt.“
Das klingt bekannt, sieht zunächst gewöhnungsbedürftig aus, ist aber letzten Endes so unterhaltsam wie das filigranere Vorbild. Die Geschichte des Spiels ist allerdings vergleichsweise jung, denn erste Fußballgolfideen tauchten erst vor gut zehn Jahren in Schweden auf. Seither hat sich das Spiel aber kontinuierlich weiter ausgebreitet. Heute finden sich professionelle Bahnen vor allem in Skandinavien aber auch schon fünf Stück in Deutschland, eine in Österreich und sogar eine in Thailand.
Deutschland also, das Land der vermeintlich tollsten Kicker, die aber vor allem in der Damen-Abteilung einen Weltermeister-Titel nach dem anderen abgreifen, in der Herrenrunde immer kurz vor dem lautesten Hurra die Kurve nicht bekommen. Wie sich die Fußballgolf-Idee hier durchsetzt, zeigt das Beispiel des eingangs schon erwähnten Franz Ohneis aus dem oberbayeri-schen Bodenkirchen.
Im Jahr 2003 schenkte seine Frau Sonja ihm zum Geburtstag eine Golfaus-rüstung. Bei Übungsschlägen auf einer nahe gelegenen Wiese kam ihm die Idee, auch einen Fußball in Löchern zu versenken. Die Idee gelangte kurzzeitig zu einer gewissen Reife, verschwand dann aber bis 2008 wieder in einer Schublade. Dann las Ohneis über genau so eine Fußballgolf-Anlage in der Pfalz – und aus einem Besuch dort entstand der konkrete Plan für eine 18-Loch-Anlage in der bayerischen Heimat. Heute erstrecken sich die 18 Bah-nen des Soccerpark Bayern auf eine Gesamtlänge von 1.600 Meter, wobei die einzelnen Bahnen zwischen 40 und 220 Meter lang sind. Die Gesamtfläche umfasst 25.000 Quadratmeter. Nebenan bauen Ohneis und seine Gefährten zudem einen 15 mal 24 Meter großen Kunstrasen-Fussballplatz, den sie wegen seiner Banden und Netze „Käftig“ nennen, weil auf ihm „ohne Aus“ gespielt werden kann.
Die Regeln beim Fußballgolf sind dem traditionellen Vorbild recht ähnlich. Je nach Trainingsstand sollten Spieler zwei Stunden und mehr für eine Runde einplanen. Die einzelnen Ziele sind meistens ca. 80 cm große Löcher im Boden. Es gibt aber auch Netze, höher gelegene Töpfe, Kofferräume von Autos … der Fantasie der Platzbesitzer sind wenige Grenzen gesetzt.
Also auf die Plätze, fertig, los. Regel eins: Der Ball wird mit dem Fuß direkt vom Boden geschossen. Das Ziel ist es, den Ball mit möglichst wenig Schüssen ins vorgegebene Ziel zu befördern. Jede Berührung des Balles wird als Schuss gezählt. Trifft der Ball ins ‘“Rough“, also in hohes Gras oder Unkraut, so darf er von dort aus weitergespielt werden. Fliegt oder rollt er über das Rough hinaus auf eine andere Bahn oder aus der Anlage heraus, so gibt es für den Spieler einen Strafpunkt, und der Ball wird zum Abschusspunkt zurückversetzt. Gelangt der Ball in die Bepflanzung am Feldrand oder an eine sonst unspielbare Stelle, darf er zurückversetzt werden, aber es gibt einen Strafpunkt. Für jede Bahn gibt es eine angegebene Par-Zahl. Dies ist eine Richtlinie für die Anzahl der voraussichtlich nötigen Schüsse. Die maximale Anzahl der Schüsse für jede Bahn beträgt das zweifache der Par-Angabe. Beispiel Par 4: Ist der Ball nach 8 Schüssen oder Strafpunkten nicht eingelocht, erhält der Spieler automatisch 9 Punkte. Ähnlich wie beim Ur-Golf ist übrigens der vermeintlich bessere Spieler nicht immer der Sieger. Da sind gute Tage und schlechte, zu viele Hügel oder zu wenige, falsch platzierte Hindernisse und oft natürlich „viel zu kleine Löcher“.
Es gibt also einige Gemeinsamkeiten traditionellem und Kickergolf. Sogar Bunker sind hier eingebaut, die den Fußballern so viel Kummer bereiten wie den „richtigen“ Golfern. Auch Tees sind bekannt, die hier allerdings Hütchen heißen und bei jedem Schuss erlaubt sind. Augenfällig sind die Unterschiede, auf die die einen vermutlich so viel Wert legen wie die anderen. Allem voran ist die Kleidung zu erwähnen: Beim Fußballgolf gibt es keine Kleiderordnung. Passend ist, was gefällt. Und das gilt auch für den Geräuschpegel, der sich auf Fußballgolf-Plätzen deutlich vom Green der echten Golfer unter-scheidet: Es wir gelacht, geschimpft, gejubelt und gegröhlt! Man ist eben doch mehr beim Kicken als beim Golfen. Es lebe der Unterschied!
Fußball-Golf-Turniere
Was so durchdacht ist, das schreit natürlich nach Turnieren – und die gabs reichlich in diesem Sommer in Deutschland. Im Mai richteten Ohneis und seine Teamkollegen die Bayerischen Meisterschaften aus. Im Juli lud die World Footballgolf Association zur WM nach Dirmstein ein. Und im September fanden die deutschen Meisterschaften statt.
