Peter Maly ist international einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Designer unserer Zeit. Es gibt fast nichts, was er noch nicht entworfen hat.Viele seiner EntwĂŒrfe bekamen den begehrten GOOD DESIGN AVARD. Er lebt in AumĂŒhle bei Hamburg.
Peter und ich kennen uns schon seit vielen Jahren. Wir haben in Detmold zusammen Innenarchitektur studiert und wohnten TĂŒr an TĂŒr in einer Wohngemeinschaft. Wir treffen uns bei der Eröffnung des INTERLĂBKE Design Centers in Rheda-WiedenbrĂŒck. Peter Maly stellt sein neues Möbelprogramm vor. Nach der Pressekonferenz haben wir Zeit fĂŒr einander.
Wir haben uns lange nicht gesehen, das aber tut unserer Freundschaft keinen Abbruch. âWeiĂt Du noch…â beginnt so manche Erinnerung. Am wenigsten haben wir unsere Wirtin Frau Didillon vergessen. Eine hoch gebildete Grand Lady mit Herz. Und dann unsere kleine Band bei den Schulfesten. Peter Gitarre und ich Akkordeon oder Schlagzeug. Eine wunderschöne lehrreiche Zeit fĂŒrs ganze Leben.
Nach dem Studium in Detmold begann Peter Maly seine Karriere bei der Zeitschrift SCHĂNER WOHNEN als Innenarchitekt in Hamburg. âWie Du weiĂt, war ich zehn Jahre beim Gruner + Jahr Verlag in Hamburgâ, erzĂ€hlt er. âIn der Zeit, als ich da gearbeitet habe, war das Raumproblem wichtiger als heute. Wir haben VorschlĂ€ge fĂŒr alle möglichen Wohnsituationen gemacht, haben neue Möbel vorgestellt und versucht, neue Trends zu setzen. Sehr schnell konnten wir in der Redaktion erkennen, dass das Einrichten der eigenen Wohnung fĂŒr die meisten Menschen ein Problem darstellte. Damals mussten wir lange nach guten Produkten suchen, um ansprechende Interieurs zu machen, die unseren Leserinnen und Lesern Anregungen und Lösungsmöglichkeiten geben konnten. Irgendwann habe mich entschlossen, selbst zu entwerfen, damit der Markt fĂŒr Gutes Design gröĂer wirdâ, lacht er.
Durch seine TĂ€tigkeit bei Schöner Wohnen hatte er Kontakt zu den wichtigsten Adressen der Design Szene im Einrichtungsbereich. Ende der sechziger Jahre entstanden seine ersten EntwĂŒrfe. â1970 habe ich die Redaktion verlassen und mich selbststĂ€ndig gemacht. Ich war aber weiterhin freier Mitarbeiter bei Schöner Wohnen, und das war gut so, denn von meinen EntwĂŒrfen konnte ich zu der Zeit noch nicht leben.â
âMein erstes Design habe ich fĂŒr Cor-InterlĂŒbke gemacht. Es war ein recht einfaches, aber optisch interessantes Sesselprogrammâ, erzĂ€hlt er. âIch versuchte schon am Anfang Dinge zu entwerfen, die nicht modisch und nicht kurzlebig sein sollten. Wie jedoch solche GegenstĂ€nde aussehen mĂŒssten, um auch erfolgreich zu sein, war den Herstellern und mir selbst nicht immer ganz klar. Industriedesign war damals noch ganz am Anfangâ analysiert Peter Maly seine ersten Schritte als Möbeldesigner.
âHast Du bei Deinen EntwĂŒrfen Trends aufgegriffen und sie in produzierbare und verkĂ€ufliche Produkte umgesetztâ, frage ich ihn. âJa klar, ich wollte erfolgreich sein. Trends zu machen hatte ich bei Schöner Wohnen gelerntâ, sagt er. âDa haben wir nĂ€mlich versucht, unseren Lesern stĂ€ndig neue Ideen zu prĂ€sentieren. Dieses Denken musste ich mir bei meinem Design mĂŒhsam abgewöhnen. Ich wollte zu meiner eigenen Linie finden, doch ich sah noch immer zu viele Möglichkeiten, die ich alle hĂ€tte machen können. Ich hatte meine klare Richtung noch nicht gefundenâ.
Leo LĂŒbke der Chef von COR-INTERLĂBKE kommt zu uns und serviert uns einen Caribbean-Coffee. âDas ist eine SpezialitĂ€t unseres Hauses. Ich hoffe, er schmecktâ. Er schmeckt, den kannte ich noch nicht.
âEnde der Sechziger entstanden weitere EntwĂŒrfe mit denen ich Erfolg hatte. Ich entwarf Dinge, die zwar den Zeitgeist in sich trugen, aber ĂŒber lĂ€ngere Zeit hinweg Bedeutung behielten. Mit meinen Möbeln sollen die Menschen ihren eigenen Stil verfeinern können, ohne sich zu Opfern des gerade gĂŒltigen Einrichtungstrends zu machen.â âDas klingt wie ein Statementâ, unterbreche ich ihn. âHast Du auch GegenstĂ€nde entworfen, bei deren Anblick Du Dich heute nicht mehr so richtig wohl fĂŒhlstâ?
âNa klarâ, lĂ€chelt Peter. âich will nicht aufzĂ€hlen und es kurz machen. Wer keine Flops hatte, hat noch nie was gemacht! Das liegt in der Natur der Dingeâ.
âEntwirfst Du noch immer mit dem Bleistift, wie wir es mal gelernt haben, oder lĂ€sst Du den PC fĂŒr Dich arbeitenâ, frage ich. âMeine ersten Ideen bringe ich mit dem Bleistift auf direktem Weg vom Kopf aufs Papier. Dann bauen wir Modelle und perfektionieren den Entwurf am PC. Beim Umsetzen einer Skizze in ein reales 3-D-Bild auf dem Bildschirm verĂ€ndert sich am Entwurf noch sehr viel. AuĂerdem ist es auch eine gute Kontrolle dafĂŒr, ob die Proportionen stimmenâ.
Ich frage ihn, was er unter Gutem Design versteht. âBasis fĂŒr jedes gute Design ist die Funktion. Dazu kommen gute Proportionen, Material und Ausgewogenheit. Es muss industriell herstellbar sein und bei aller ZweckmĂ€Ăigkeit auch begeistern können. Wer all das nicht beherzigt, ist kein guter Designer, und wird keinen Erfolg habenâ.
Peter Maly hat wunderbare Sachen entworfen. Viele seiner Möbel sind âMust-HaveÂŽsâ und zĂ€hlen zu den modernen Klassikern. Er entwirft fĂŒr COR, InterlĂŒbke, Behr, Ligne Roset,Thonet, WK-Möbel, JAB-Anstoetz, Reim-Interline und viele andere. Er ist mehr als nur ein Designer. Peter begleitet seine Ideen vom Produktdesign bis zur PrĂ€sentation in der Ăffentlichkeit. Er inszeniert Wohnwelten, entwirft MessestĂ€nde, macht Fotoproduktionen und gestaltet die Kataloge fĂŒr seine Produkte. Kurz, er gibt seinem Design auch das âGesichtâ nach drauĂen.
Vor einem Jahr entwickelte er eine neue Produktfamilie fĂŒr die japanische Firma Conde House. âDie Zusammenarbeit mit diesem Unternehmen hat mir richtig viel Freude gemacht. Es war interessant, eine ganz andere Ă€sthetische Welt kennen zu lernen. Ich habe fĂŒr dieses Programm japanische Verarbeitungstechniken fĂŒr Holz mit eingebaut, und das war spannendâ.
Es gibt fast nichts, was er noch nicht entworfen hat. Seine Liebe zu geometrischen Formen und das Streben nach Klarheit, FunktionalitÀt und nach Langlebigkeit bestimmen sein erkennbares Peter Maly Design.
Wenn Peter Maly Zeit hat, geht er aufs Wasser. Er segelt leidenschaftlich gern. âWenn ich mit meinem alten HollĂ€ndischen Waarschip auf dem Ratzeburger See rumschippere, fĂŒhle ich mich in einer wunderschönen heilen Weltâ.
Peter Maly
Geboren 1936, Studium an der Hochschule fĂŒr Innenarchitektur in Detmold. Von 1960 bis 1970 Mitglied der Redaktion Schöner Wohnen. Seit 1970 eigenes DesignbĂŒro in Hamburg. Entwurf von internationalen Möbelkollektionen, Fotogestaltung und Messearchitekturen. Ganzheitliche Betreuung vom Produktdesign bis zur PrĂ€sentation in der Ăffentlichkeit. FĂŒr seine Arbeiten bekam er zahlreiche international wertvolle Auszeichnungen. Einige EntwĂŒrfe sind bereits moderne Klassiker und werden auf Auktionen hoch gehandelt.
