Harry, hol schon mal den Schläger

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25 Jahre lang stand er als Harry Klein im Dienste seines Vorgesetzten, assistierte Derrick in 281 Folgen der gleichnamigen Krimiserie. Aus den beiden Schauspiel-Kollegen wurden Freunde fĂĽrs Leben und als Horst Tappert nach schwerer Krankheit 2008 aus dem Leben schied, ging auch fĂĽr Wepper eine Ă„ra zu Ende: „Mit Horsts Tod ist auch ein StĂĽck von mir gestorben. Durch unsere Rollen sind wir in der Ă–ffentlichkeit eng aneinander gerĂĽckt. Aber auch privat waren wir uns sehr nah. Die Arbeit beim Film, die vielen langen Drehtage, da wächst man zusammen, erfährt viel voneinander. FĂĽr unsere Rollen bedeutet sein Tod: Mit Derrick ist auch ein StĂĽck Harry gegangen.“ Zu diesem Zeitpunkt waren bereits zehn Jahre vergangen, seit die letzte Folge des Kultduos 1998 ĂĽber die Mattscheibe flimmerte und aus dem treuen Kriminalassistenten Harry Klein war in der Zwischenzeit der schlitzohrige BĂĽrgermeister Wolfgang Wöller geworden, den Wepper mit sichtlicher Spielfreude nun schon im elften Jahr in der nicht minder erfolgreichen ARD-Serie „Um Himmels willen“ gibt. „Als ‘Wöller’ schimpfe ich, als Wepper bin ich ganz entspannt“, sagte er vor einiger Zeit. Das sei wie eine Reinigungskur oder ein Saunabad.

Von Peter Pan zum Leinwandstar

Doch Weppers Karriere begann schon lange vor Harry Klein und Wolfgang Wöller. Die Faszination für Film und Theater war bei ihm früh geweckt. ereits als Schüler wollte Wepper, der am 17. August 1941 in München geboren wurde, selber auf der Bühne stehen. So wirkte er als Neunjähriger beim Bayrischen Rundfunk in zahlreichen Kindersendungen mit und gab 1952 sein Theaterdebüt als das „Glöckchen“ in einer Aufführung des „Peter Pan“ am Münchner Staatstheater. Vor allem bei seinem TV-Debüt ist er damals gehörig ins Schwitzen gekommen, wie er in einem Interview einmal zugab: „Als ich zum ersten Mal vor einer Kamera stand, habe ich keine feuchten Hände gehabt, sondern Pfützen in den Händen. Damals war noch alles live und schwarz-weiß, wenn ich mich versprochen hätte, hätte man sofort eine Bildstörung einblenden müssen.“

Sieben Jahre später, die Nervosität ist inzwischen einer gewissen Schauspielroutine gewichen, gelingt dem damals 18-Jährigen in Bernhard Wickis „Die Brücke“der große Durchbruch auf der Kinoleinwand. Der preisgekrönte Antikriegsfilm, in dem sieben junge Schüler sinnlos ihr Leben riskieren, um in den letzten Kriegstagen noch eine Brücke zu verteidigen, ließ den Münchner Nachwuchsschauspieler über Nacht berühmt werden. Denn Wepper spielte den Protagonisten Albert Stutz mit solch einer beeindruckenden Intensität, dass die dramatische Schlussszene bis heute in ihrer Eindringlichkeit nachwirkt.

Einmal Hollywood und zurĂĽck

Seine erste Auszeichnung als Darsteller erhielt Wepper allerdings fĂĽr einen anderen Film. „Kennwort: Reiher“ bescherte ihm 1964 den Bundesfilmpreis und acht Jahre später konnte er an der Seite von Liza Minnelli in dem oscarprämierten Kino-Klassiker „Cabaret” auch seinen internationalen Durchbruch feiern. Der Sprung ĂĽber den Filmteich nach Hollywood blieb ihm aber verwährt. Schuld daran war Harry Klein. Denn Weppers Leben mit seiner Paraderolle beginnt schon 1968, lange vor Derrick, als gleichnamiger Assistent an der Seite von Erik Ode in „Der Kommissar“. Obwohl er fĂĽnf Jahre später die Serie wieder verlässt und sein Bruder Elmar die freigewordene Stelle ĂĽbernimmt, sollte der Traum von einer Hollywoodkarriere platzen. „Nach dem Erfolg von Cabaret kam der Kontakt nach Amerika, und später kamen auch die Angebote: ein TheaterstĂĽck am Broadway, ein Film in Kanada, ein Film in den USA“, erinnert sich Wepper in einem Interview mit der Teleschau. „Die amerikanische Agentur wurde von acht Anwälten gefĂĽhrt. Die fragten mich, wie es mit meiner Zeit aussieht. Da sagte ich, dass ich dieses Jahr drehe – ich machte damals „Der Kommissar“ – und dass ich eine Option fĂĽr nächstes Jahr habe. Das hätte ich vielleicht besser unerwähnt lassen sollen, denn danach bekam ich den härtesten Satz zu hören, den jemals jemand in meiner Karriere zu mir gesagt hat: Okay, forget it. Und so vergisst er Hollywood und die Traumfabrik ihn. Ein Jahr später steigt er als Harry Klein bei „Derrick“ ein und schreibt dafĂĽr in 113 Ländern Seriengeschichte.

Parallel zu seiner Fernseharbeit bleibt Wepper aber auch der TheaterbĂĽhne treu. Im Laufe seine Karriere las Harry Klein folgen zahlreiche Engagements an den Kölner Kammerspielen sowie verschiedene Theater-Tourneen. Heute blickt Wepper, der im August seinen 70. Geburtstag feierte, mehr als zufrieden auf seine Karriere zurĂĽck. „Ich bin froh, dass ich ĂĽber viele Jahre so ein hohes Niveau halten konnte”, sagt er. „Ich könnte nicht einmal sagen, welche Produktion mein Highlight ist, denn sobald man eine herausstellt, tut man einer anderen Unrecht.“

Harry, hol schon mal den Schläger

Egal ob an der Seite von seinem Bruder Elmar in der Krimiserie „Zwei BrĂĽder“ oder gemeinsam mit seiner Tochter Sophie in „Mord in bester Gesellschaft“, dem erfahrenen Serien-Routinier gelingt es stets, sein Publikum mit viel Charme und Witz zu unterhalten. Sieben Millionen Zuschauer sind es im Schnitt allein bei der ARD-Serie „Um Himmels Willen“. Besonders die Zusammenarbeit mit seiner Tochter Sophie bereitet ihm immer wieder groĂźes VergnĂĽgen. „Wir verstehen uns prächtig, gerade auch durch unseren ähnlichen Humor“, schwärmt Wepper ĂĽber seine Tochter. Nur in Sachen Golf, da gehen die Meinungen der beiden gehörig auseinander. „Das Einzige, was ich etwas schade finde, ist, dass sie meine Leidenschaft fĂĽr Golf nicht teilt“, erzählt er, während seine Tochter Sophie im Interview mit der Welt dagegen hält: „Ich finde Golf einfach langweilig. Ich hab’ es ja auch schon mal ausprobiert, aber ich bringe einfach nicht die Geduld fĂĽr diesen Sport auf.“ Der Senior dafĂĽr umso mehr. Nach seiner ĂĽberstandenen Blutvergiftung Anfang des Jahres, die sich Wepper beim spielen mit Hund Aron zugezogen hatte, kann er wieder aufatmen und befreit aufspielen. Sein Abschlag kommt schwungvoll, nur sein Handicap von 17 könne aus seiner Sicht noch besser werden. Und daran arbeitet Wepper in seiner Freizeit am liebsten. Sei es gemeinsam mit Bruder Elmar beim Dauergolf im PGA National oder auf zahlreichen Promi-Turnieren fĂĽr den guten Zweck. Dabei legt er genauso viel Ehrgeiz und Einsatzbereitschaft an den Tag wie bei seiner bisherigen Schauspielkarriere, denn selbst wenn einmal nicht so rund läuft, ein Schönwetter-Darsteller und Golfer will Fritz Wepper auch auf dem GrĂĽn nicht sein: „Turniere spiele ich grundsätzlich zu Ende, selbst wenn es in Strömen regnet oder die Sonne erbarmungslos vom Himmel knallt. Das ist eine Frage der Ehre!“

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