Als Sean Connery 2005 bekannt gab, dass er sich nach über einem halben Jahrhundert Leinwandpräsenz aus dem Filmgeschäft zurückziehen werde, stand für seine Fans und Freunde schnell fest: Künftig wird der beste Bond-Darsteller aller Zeiten seinen virilen Charme nur noch auf den Golfplatz versprühen. Schließlich hatte er der staunenden Öffentlichkeit zuvor verkündet, dass er nach Hollywood eine Karriere als professioneller Golfer einschlagen wolle. „Ich denke darüber nach, Profi zu werden“, hatte er in einem britischen Boulevard-Blatt erklärt und gleichzeitig Winston Churchill zitiert, der gesagt habe, Golf sei ein wunderbarer Sport, der mit furchtbaren Waffen gespielt werde.
Mein Name ist Bond, James Bond!
Für Sean Connery ist Golf allerdings ein „absolut fantastischer Sport“, den er im schottischen Gleneagle kennen gelernt hatte, als er sich 1964 mit Gerd Fröbe ein Duell auf den Fairways von Stoke Castle im legendären Bond-Streifen „Goldfinger“ lieferte. „Ich fürchte, dass Sie das Loch und das Spiel verloren haben“, konnte 007 am Ende der Partie gelassen feststellen. Bis es allerdings so weit war, musste Connery gehörig viele Abschläge üben, damit es später so aussah, als wäre er dem ausgezeichneten Golfer Fröbe weit überlegen. Bereut hatte er seine schweißtreibenden Trainingsstunden aber keinen Augenblick, denn der unfreiwillige Ausflug aufs Grün weckte in ihm seine große Leidenschaft fürs Spiel. „Ich war sofort süchtig“, erinnert er sich noch immer.
Die Liebe seines Lebens
Bis heute hat sich daran nichts geändert. Wie jeder Golfer weiß: Wer einmal zum Schläger greift, kommt so schnell nicht mehr davon los. Connery ist da keine Ausnahme. Zudem lernte er Anfang der 70er Jahre auf einem Golfturnier in Casablanca seine Ehefrau kennen. Mit Micheline Roquebrune, einer französisch-marokkanischen Malerin, ist er seit über 30 Jahren glücklich verheiratet. Für Micheline war es Liebe auf den ersten Blick und sie behauptet noch heute, dass sie nicht einmal wusste, dass er Schauspieler sei. Schwer zu glauben, angesichts des damals weltweit grassierenden Bond-Fiebers. Connery selbst war es egal, schließlich hatte der bewunderte Leinwandheld die Liebe seines Lebens gefunden, die zudem noch eine ebenso passionierte Golferin war wie er selbst. „Was kann einem Mann besseres Passieren, als eine schöne Frau zu haben, die diesen Sport nicht nur versteht, sondern mich sogar zum Spielen ermuntert?“, meint Sir Sean, der trotz seines Handicaps von 7 die Höhen und Tiefen seines geliebten Sports genau kennt: „An einem Loch spiele ich wie Arnold Palmer und am nächsten wie Lili Palmer“, hatte er einmal über seine Golffähigkeiten gesagt.
Ein Profi beginnt bei Null
Vielleicht ist es genau diese Sprunghaftigkeit in seinem Spiel, die den 78-Jährigen antreibt, sich weiter zu verbessern. „Das Leben war immer gut zu mir, da kann ich mich nicht beklagen“, sagt er rückblickend. „Das einzige, was ich vermisse, ist mein früheres Golf-Handicap.“ Um die nötige Stringenz wieder in sein Spiel zu bringen, steht der gebürtige Schotte seit seinem Ruhestand fast täglich auf dem South Ocean Golf Course auf den Bahamas, wo er seinen Hauptwohnsitz hat und versucht verbissen sein Handicap zu reduzieren, denn ein Profi fängt bekanntlich bei Null an.
