Thracian Cliffs - Europas Pebble Beach am Schwarzen Meer

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Manche Vorlieben ändern sich nie. Schwarz ist noch immer die Lieblingsfarbe von Gary Player. Der südafrikanische Ausnahmegolfer, der in drei Jahrzehnten als Profi 165 Turniersiege einheimste, darunter neun Mayor Championships und drei Masters, wurde wegen seiner nie die Farbe wechselnden Turnierkleidung ehrfuchtsvoll „Black Knight“ genannt. Jetzt, mit 75, hat der Schwarze Ritter eine neue „schwarze“ Leidenschaft entwickelt – für’s Schwarze Meer.

Gary Player zeichnet für zwei der drei benachbarten Golfplätze verantwortlich, die in den vergangenen zwei Jahren im nördlichen Teil der bulgarischen Schwarzmeer-küste eröffnet wurden und zusammen die neue „Top Bulgarian Golf Destination Cape Kaliakra“ bilden: Beim Links-Course BlackSeaRama und beim Thracian Cliffs Golf Course hatten Player und sein gleichfalls aus Südafrika stammender Chefdesigner Theo Geertshuis die schwarze Golfkappe auf; Erschaffer des dritten Platzes im Bunde, des Lighthouse Golf Course, ist der walisische ehemalige Weltranglisten-Erste Ian Woosnam – wobei der Name irritiert: wo der am leichtesten zu spielende der drei neuen Golfplätze entstand, braucht kein Mensch ein Lighthouse. Ein rein symbolisches, funktionsloses Leuchttürmchen wird jetzt nachträglich hingestellt.

Der eigentliche „Leuchtturm“ des exquisiten Golfplatz-Trios am Schwarzen Meer ist ohnehin der jüngste Platz, Thracian Cliffs. Zum Ribbon-Cutting bei seiner Eröffnung am 4. Juni reiste Ministerpräsident Boyko Borisov höchstpersönlich an, und er bezeichnete den Player-Platz in seiner Festansprache als „Stolz des bulgarischen Tourismus“ und als „Perle der Schwarzmeerküste“. Auch bulgarische Politiker reden so, wenn’s was zu feiern gibt.

Doch auch der alte Profi Gary Player ist mit diesem enthusiastischen Urteil des Regierungschefs aus Sofia durchaus einverstanden. An die 300 teils hochdekorierte Golfplätze und –resorts hat seine Golf Design Firma „Black Knight International“ in den letzten 30 Jahren in den begehrtesten Gegenden und Küstenstreifen auf fünf Kontinenten entworfen, von Sun City in Südafrika bis Florida und North Carolina, von China und den Philippinen bis Marokko und Mauritius. Thracian Cliffs, sagt Player, gehöre zweifellos zu seinen Top 5.

„Seit 60 Jahren spiele ich Golf. Wenn mich heute jemand fragt, welches für mich der schönste Golfplatz der Welt ist, sage ich: Thracian Cliffs in Bulgarien“, legt Gary Player im Brustton der Überzeugung nach. „Ganz ehrlich – einen schöneren Platz habe ich nie gesehen.“ Dieses Juwel, so der geschäftstüchtige Südafrikaner, sei „das Pebble Beach von Europa“. Vielleicht sogar noch ein bisschen besser.

Denn Thracian Cliffs bietet etwas, mit dem weder der viel gerühmte Pebble Beach noch irgendein anderer der unzähligen Championship-Plätze aufwarten kann, die Gary Player in seinem langen Golferleben gespielt hat: Grandiosen Meerblick auf 18 Bahnen. Die Natur schuf dafür an der bis zu 200 Meter hohen Kalkstein-Steilküste eine gute Autostunde nördlich von Varna die besten Voraussetzungen: Zwischen der Kleinstadt Balchik und dem weit ins Meer hinausragenden Kap Kaliakra gab es vor Urzeiten einen gewaltigen Erdrutsch, der auf einer Länge von rund sechs Kilometern eine Art Zwischenetage entstehen ließ.

Auf dieser natürlichen Aussichtsterrasse hoch über einer weit geschwungenen Bucht fanden Gary Player und Theo Geertshuis ideale Bedingungen vor, um einen Golfplatz zu schaffen, auf dem sich – acht Löcher unmittelbar entlang der steil aufragenden weißen Kreidefelsen nach Norden, dann auf noch höherem Niveau wieder zurück in Richtung Resort – 18 absolut spektakuläre Bahnen aneinanderreihen.

Eigentlich ist es den 17 anderen „breathtaking“ Löchern gegenüber unfair; aber weil es nun mal unüblich ist, alle 18 Bahnen eines Golfplatzes mit dem Titel „Signature Hole“ zu adeln, wählte Gary Player dafür die 6 – ein geradezu angsteinflößendes, supersteiles Par 3, bei dem der Ball von einer fast 50 Meter hohen Klippe hinunter auf ein aus der Höhe winzig erscheinendes Grün auf „Normal-Null“ geschlagen werden muß. Ein Hook, und der Ball landet im dichten Gestrüpp am Fuß eines hoch aufragenden Kreidefelsens; ein leichter Slice, und das Schwarze Meer verschluckt den weißen Ball auf Nimmerwiedersehen.

Und gleich danach erwartet den Spieler neues Herzrasen: Den Herren-Abschlag der 7. Bahn bildet eine künstliche Insel im Meer, zu der man, mit dem Driver bewehrt, über einen langen Holzsteg gelangt. Die „bridge over troubled water“ kann sich allerdings sparen, wer sich nicht zutraut, mindestens 160 Meter carry über’s Wasser – und dazu noch bergauf – zu schlagen: das schmale Fairway beginnt ansteigend rund zehn Meter über dem Meeresspiegel.

Daß zur Eröffnung von Thracian Cliffs – den zu spielen man guten Gewissens nur erfahrenen Golfern ab etwa Handicap 20 empfehlen kann – gleich mehrere Spitzenpolitiker, etliche Wirtschaftsgrößen und ein guter Teil der bulgarischen High Snobiety zu den Trakischen Klippen eilte, hat gute Gründe. Allein in das 5-Sterne-Resort Thracian Cliffs wurden mehr als 160 Millionen Lewa, über 80 Millionen Euro, investiert. Zusammen mit den kaum weniger aufwendigen Nachbar-Resorts BlackSeaRama und Lighthouse entstand nördlich von Varna der größte sport-touristische Komplex Bulgariens, der nicht weniger bewirken soll, als eine weitgehende Richtungsänderung des Schwarzmeertourismus in dem jungen EU-Land.

In Sichtweite des neuen Golf-Trios am Kap Kaliakra, jenseits der weiten Bucht, liegt der Goldstrand, auch bekannt als „Ballermann am Schwarzen Meer“. Der dortige exzessive Alkoholtourismus schade zunehmend Bulgariens Ruf als Reiseland, hat die Regierung in Sofia erkannt. Statt immer mehr „Sauf- und Billigtouristen“ will man künftig zunehmend zahlungskräftige Golfer und entdeckungshungrige „Qualitätstouristen“ anlocken, die auch Interesse haben an kulturellen Attraktionen wie dem berühmten Botanischen Garten in Balchik mit dem pittoresken Schlösschen der Rumänischen Königin Maria Victoria, den Resten der mittelalterlichen Burg und den Wohnhöhlen am schroff-schönen Kap Kaliakra sowie dem Museum der Trakischen Kultur in Varna. Ein goldenes Trinkhorn des der Legende nach rauf- und sauflustigen Volkstamms der Traker, die schon vor Jahrtausenden diese Küste bevölkerten, diente als Vorlage für das Signet und die Abschlagmarkierungen des Thracian Cliffs Course.

Solch ein Kurswechsel funktioniert nicht von heute auf morgen, und er kostet vor allem viel Geld. Aber daran mangelt es Krassimir Guergov und Georg Tsvetanski, den Inhabern des Thracian Cliffs Golf & Beach Resort, nun wirklich nicht. Guergov, ein enger Vertrauter von Regierungschef Borisov, ist Bulgariens größter Medienmogul, und Tsvetanski wurde, so heißt es, obwohl erst 42, durch Mega-Geschäfte in Bulgariens Pharma- und Tabakindustrie etliche hundert Millionen schwer. Euro, versteht sich.

Auch Kancho Stoichev und George Tchonklev, den Besitzern des BlackSeaRama beziehungsweise des Lighthouse Resort, zählen zu den führenden Köpfen in Bulgariens Geldadels-Kaste. Die beiden 50jährigen Oligarchen waren einst Schulfreunde in Sofia, pflegen allerdings heute eine überaus tiefempfundene gegenseitige Abneigung. Die manifestiert sich unter anderem in einem hohen Zaun zwischen den beiden unmittelbar benachbarten Golfplätzen auf dem Hochplateau hinter der Steilküste. Zwischen den beiden pompösen Klubhäusern und den zu den Resorts gehörenden Luxushotels liegen eigentlich nur wenige hundert Meter. Doch wenn ein Gast vom BlackSeaRama zum Lighthouse will, muß er mit dem Shuttle-Taxi einen vier Kilometer weiten Umweg fahren. Die Balkan-Version der skurrilen thüringischen Maschendrahtzaun-Affäre.

Millionenschwere Streithähne davon überzeugen zu müssen, dass derartiger Dauerzoff und Alleingänge den gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg der neuen bulgarischen Top-Golfdestination gefährden, ist bei Weitem nicht das einzige Problem, mit dem Perry Einfeldt zu kämpfen hat. Der langjährige General Manager der Golfanlagen im mecklenburgischen Fleesensee wurde im vergangenen Frühjahr von Georg Tsvetanski ans Schwarze Meer geholt, um mit seinem Know-how dem noch unfertigen Thracian Cliffs Resort zu einem fulminanten Start zu verhelfen.

Im Wesentlichen ist ihm das mit Bravour gelungen: Die erste Urlaubssaison in dem noch nicht ganz fertigen Luxus-Resort mit 159 Meerblick-Suiten hoch auf den Kreidefelsen lief schon ganz gut an. Das luxuriöse, asiatisch angehauchte Amina Spa im „Marina-Village“ mit seinen zwei- und dreistöckigen, weiß getünchten und schiefergedeckten Spitzgiebel-Häusern fand schon viele Liebhaber für seine „Trakischen Heilmethoden“ mit Joghurt, Weintrauben, Honig und Black Sea Mud. Und die oft nächtelangen Beach Partys am abgeschiedenen, resorteigenen feinsandigen Bendida Beach mit seiner marokkanischen Strandbar und den teilweise auf Stelzen im Wasser stehenden Day Beds lockten schon den ganzen Sommer über die jungen Schönen und Reichen aus Balchik, Varna und anderen Städten der Umgebung an.

Doch viel bleibt noch zu tun: In den Schaufenstern der zahlreichen geplanten Mode-, Sport- und Schmuckboutiquen im Marina Village gaukeln noch täuschend echte Fototapeten künftige mit Luxuswaren gefüllte Regale vor. Und bei genauem Hinsehen erweisen sich die schmucken Apartmenthäuser oberhalb der letzten drei Thracian-Cliffs-Fairways als geschickt mit riesigen Foto-Planen verhüllte nackte Rohbauten – eine Art Potemkinsches Dorf auf 5-Sterne-Niveau. Die Wirtschaftskrise von 2008 hat mit Verzögerung auch Bulgarien hart getroffen. Etliche Investoren aus dem In- und Ausland mussten notgedrungen ihre schon unterschriebenen Kaufverträge rückabwickeln und ihre Anzahlungen in den Wind schreiben. Angeblich hat Georg Tsvetanski aber schon neue solvente Käufer an der Angel.

Mehr Sorgen machte Perry Einfeldt in den vergangenen Monaten der Golfplatz selbst. Im vorigen harten Winter lösten Schneemassen hoch über dem noch unfertigen Thracian Cliffs Course eine gewaltige Schlammlawine aus, die das 15. Fairway überrollte und das 2. Green mit einem Teil der Kreideklippe hinunter ins Meer riß; Teile des zerstörten Grüns hängen noch über dem Abgrund. Kurz vor der Platz-Eröffnung mussten noch einmal die Bulldozer ran. Das Finish des herrlichen Par-5-Lochs musste neu gestaltet werden und wurde nun notgedrungen etwas kürzer. Gary Player, der in drei Jahren Bauzeit mindestens sechsmal an die Schwarzmeerküste flog, um die Arbeiten an seinem erklärten Lieblingsplatz pedantisch genau zu verfolgen und zu leiten, war „not amused“.

Aber dazu braucht es bei dem alten Maestro des Golfplatz-Designs ohnehin nicht viel. Immer wieder setzte der Ästhet, der stark auf visuelle Effekte setzt, Veränderungen an einzelnen Bahnen durch, verfügte die eine oder andere Geländeabtragung, um noch atemberaubendere Blicke auf den Strand oder die himmelwärts aufragenden Klippen der weit geschwungenen Steilküste zu ermöglichen.

Hin und wieder nervte der Detailfanatiker die anderen Beteiligten mit seiner Pedanterie. Weder Abschlagtafeln noch Ballwascher oder Papierkörbe wollte Gary Player erlauben. Von wild wuchernden Rough-Inseln in mehreren Fairwaybunkern mussten die Greenkeeper nach dem eisernen Willen des Schwarzen Ritters ihre Sensen und Rasenmäher lassen. Und weil sie sein allzu strenges ästhetisches Empfinden störten, verbot Player anfangs sogar die weißen Aus-Pfähle am gefährlich steilen Klippenrand, dem man besser nicht zu nahe kommt.

Mittlerweile verfährt Resort-Chef Perry Einfeldt freilich nach dem pragmatischen Motto: Was der Player nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Als Anfang September auf den drei Plätzen am Cape Kaliakra die Bulgarian Open und die Europäischen Mannschaftsmeisterschaften ausgetragen wurden, waren die selbstverständlichen Ausstattungsmerkmale eines jeden guten Golfplatzes vollständig vorhanden.

Mag sein, dass das noch mal Ärger gibt. Denn Gary Player kommt mit Sicherheit wieder. Der Schwarze Ritter war einer der Ersten, die sich ein Apartment im Marina Village kauften, ganz vorne in der ersten Reihe. Und nur einen kurzen Eisenschlag entfernt von dem Golfplatz, von dem er sagt: „It’s a paradise“.

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