Golfen mit Handicap

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Erstmals fanden auf der Anlage des Golfclubs Schwanhof die Conrad International Disabled Open statt. Veranstaltet vom Verein zur Förderung des Golfsports, der seinen Sitz am Schwanhof hat, in Zusammenarbeit mit dem Behinderten Golf Club Deutschland, war dies eine der größten Veranstaltungen der Turnierserie der European Disabled Golfer Association (EDGA).

Als Eröffnungsevent fand am Freitag ein Integrationsturnier statt, bei dem Mitglieder und Sponsorenvertreter gemeinsam mit den behinderten Golfern an den Start gingen. Bei dem Florida Scramble über 18 Löcher stand der gemeinsame sportliche Wettkampf im Vordergrund. Es war ein unvergessliches Erlebnis für die Mitglieder des Golfclubs Schwanhof. Zu erleben, wie ein Rollstuhlfahrer mithilfe eines eigens gebauten „Powergolfers“ spielen kann, wie man mit einer Hand ein Single Handicap spielt oder als Blinder zielgenau putten kann, war faszinierend. Bei der Siegerehrung am Abend im Clubhaus haben Jugendliche des Golfclubs, alle in bayerischer Tracht, in einer beeindruckenden Zeremonie die Flaggen der 12 teilnehmenden Nationen ins Clubhaus getragen.

Unter den Spielern des 3-tägigen Turniers fand man auch prominente Sportler, wie den Ski-Rennfahrer und mehrfache Paralympics-Sieger Gerd Schönfelder, der selbst Mitglied im Golfclub Schwanhof ist. “Ich bin stolz, dass eines der weltweit bedeutendsten Golfturniere für Behinderte in meinem Heimatclub Schwanhof statt-findet. Golf ist für mich die absolute Herausforderung und ich freue mich schon riesig auf das Turnier und den Wettkampf mit so vielen hervorragenden Sportlern” sagte der Ski-Star im Vorfeld des Turniers.

Ein weiterer Star unter den Teilnehmern war der 27- jährige Manuel de los Santos. Der in der Dominikanischen Republik geborene junge Mann war in seiner Jugend auf dem Weg zum Profi-Baseballspieler, als im Februar 2003 nach einem Verkehrsunfall sein linkes Bein oberhalb des Knies amputiert werden musste und somit alle seine Pläne und Träume zerstört waren. Unmittelbar nach seinem Unfall heiratete er die Spanierin Elena Salazar und zog mit ihr nach Paris, wo er auch heute noch ansässig ist. Dort begann er, inspiriert durch den Kinofilm „Die Legende von Bagger Vance“, im Jahr 2004 mit dem Golfspielen und spielt heute ein Handicap von 4,4. Dank seiner hoch entwickelten koordinativen Fähigkeiten schlägt de los Santos die Bälle einbeinig, ohne Unterstützung einer Prothese. Zudem verzichtet er auf die Nutzung eines Golfcarts. Auf die Frage, warum er nicht fährt, antwortete er lachend: „Ich hasse Golfcarts. Golf ist ein Sport und ich bin ein Athlet – also laufe ich“. Und laufen ist auch der richtige Ausdruck, denn die Geschwindigkeit, mit der er sich auf seinen Krücken fortbewegt, ist enorm. Insgesamt waren unter den 70 Teilnehmern 28 deutsche Spieler am Start, darunter der Deutsche Meister der blinden Golfer Bernd Walsch und Publikumsliebling Kai Sehmer, der am Down-Syndrom leidet.

Den zahlreichen Zuschauern, die sich am Golfplatz Schwanhof eingefunden hatten, wurde Einiges geboten. Es war beeindruckend zu sehen, wie diese Menschen mit ihren Handicaps umgehen und dabei stets ein Lächeln im Gesicht hatten. Dass zudem auch hervorragendes Golf gespielt wurde, zeigte sich bei der Siegerehrung, die aufgrund des traumhaften Wetters unter freiem Himmel stattfinden konnte. Bei den Damen gewann Tineke Loogman mit insgesamt 184 Schlägen. Bei den Herren konnte sich Manuel de los Santos der mit einer 81er Runde am ersten Tag und einer 76er Runde am zweiten Tag gegen die Konkurrenz durchsetzen und war mit insgesamt 157 Schlägen bester Spieler des Turniers.

Dass Manuel die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert hat, lag aber nicht nur an seiner hervorragenden golferischen Leistung, sondern viel mehr an seinem strahlenden Wesen. Sein einzigartiger Lebenslauf nach seinem tragischen Unfall sind Symbol für Hoffnung, Ehrgeiz und Lebensbejahung trotz Behinderung. In seiner Siegerrede bedankte sich der junge Mann bei allen Beteiligten für die perfekte Organisation und den hervorragenden Zustand des Platzes:„ Das Besondere an diesem Turnier aber war, dass ihr uns nicht wie Behinderte behandelt habt, sondern einfach wie Golfer.“ Dass er mit diesem Statement vielen Teilnehmern aus dem Herzen gesprochen hat, ließ der tosende Applaus vermuten.

Unterstützt wurde das Turnier vom europaweit größten Versandhaus und Onlineshop für Technik “Conrad Electronic” sowie den Loew’schen Einrichtungen, die sich bayernweit für Menschen mit geistiger, psychischer und körperlicher Behinderung engagieren. Dem Wunsch von Klaus Conrad, dazu beizutragen, dass behinderte Golfer auf höchstem Niveau spielen können, wurde an diesem Wochenende mit Sicherheit Rechnung getragen. Alle Teilnehmer waren sich beim Abschied einig:„Wir kommen im nächsten Jahr wieder!“.

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